Nachdem der Begriff der Interaktion ja schon in Beziehung zu Kommunikation behandelt wurde, möchte ich mich heute mit dem Verhältnis von Interaktion und Interaktivität auseinandersetzen.
Beide Begriffe klingen ja durchaus ähnlich und haben auch einen gemeinsamen Wortgrundstamm, nämlich in Richtung interaktiv. Zerlegt man dieses Wort in seine Bestandteile „inter“ und „aktiv“ und betrachtet seine lateinische Herkunft, also inter für zwischen und aktiv von agere für handeln, dann kommt man zu dem Schluss, dass es irgendetwas mit wechselseitigem Handeln auf sich haben muss. Doch warum gibt es dann zwei Begriffe, die eigentlich beide auf’s Gleiche hinauswollen – nämlich zwischenmenschliches Handeln? Wo liegt der Unterschied beider Begriffe?
Man könnte sagen, Interaktion ist als das tatsächliche Handeln der Beteiligten aufzufassen, während Interaktivität rein eine Möglichkeit, ein Potential darstellt, welches Interaktion ermöglicht oder zulässt. Somit ließe sich auch schlussfolgern, dass es ohne eine gebotene Möglichkeit zur Interaktion eine solche auch nicht geben kann. Das heißt, das Maß der Interaktivität ist ausschlaggebend dafür, ob oder wie Interaktion stattfinden kann. Ein Beispiel: In einem Vorlesungssaal, der eine gewisse Größe hat und in dem zahlreiche Menschen sitzen (können), ist die Interaktivität sicherlich geringer als in einem kleineren Seminarraum, in dem weniger Personen sitzen. Eine Interaktion der Beteiligten wird dort leichter wahrgenommen und führt eher zu einer Reaktion. Eine solche Interaktion kann sich bspw. (im Spezialfall von Interaktion) als Kommunikation äußern oder aber auch in non-verbaler Form z.B. durch das Gähnen der Zuhörer, auf das der Dozent reagieren kann. Das Interaktionspotential, sprich die Interaktivität in einem Seminarraum ist also folglich größer als in einem Vorlesungssaal.
Überträgt man nun dieses Verständnis von Interaktion und Interaktivität in den Bereich der digitalen Kommunikation, lässt sich natürlich fragen, inwiefern digitale Kommunikationsangebote interaktiv sind?
Der Sozialwissenschaftler Lutz Goertz entwickelte 1995 folgendes Modell:

Überträgt man dieses Modell auf das Internet, so scheint dieses Medium so interaktiv wie kein anderes Medium zu sein. Wobei man natürlich immer streiten kann, ob das Internet als solches wirklich Medium oder nur als (Übertragungs-)Kanal wahrgenommen werden kann. In Bezug auf Weblogs kann man die Frage schon konkreter stellen: Ermöglichen oder Fördern Blogs die Interaktivität im Prozess der digitalen Kommunikation? Oder: Sind Blogs überhaupt interaktiv?
Nach meiner Auffassung bieten Blogs ein hohes Maß an Interaktivität, da durch die beschriebenen Funktionen und die Verwendung eines direkten Rückkanals jeder Internetbenutzer die Möglichkeit erhält, sich mit anderen Menschen auszutauschen, zu interagieren und zu reagieren.

- Goertz, Lutz: Wie interaktiv sind Medien? Auf dem Weg zu einer Definition von Interaktivität. In: Rundfunk und Fernsehen. 43. Jg. 1995. H. 4. S. 477-493.
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